Der Zugezogenen-Atlas von Berlin: Aus welchen Ländern kommen die heutigen Berliner?

Jeder zweite Wohnhafte in Berlin ist kein gebürtiger Berliner. Nur 48 %, also weniger als die Hälfte, sind gebürtige Berliner. Berlin war schon immer die Stadt der Zugezogenen. Allein im letzten Jahr zogen 170.000 Menschen nach Berlin; ein Zuzug der nicht zu enden scheint.

Nach dem Mauerfall zog es zunächst mehr Personen aus Berlin hinaus. Berlin schrumpfte. Erst seit 2003 nimmt der Zuwachs wieder rasant zu. Und das, stärker denn je.

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Die Bevölkerungszahlen stiegen in Berlin seit 2003 durch den massiven Zuzug anfangs höher als angenommen. Man geht jetzt davon aus, dass Berlin in den nächsten Jahren die vier Millionen Marke knacken wird. Ursache hierfür ist die zunehmende Attraktivität der Stadt und die bisher im deutschlandweiten Vergleich niedrigen Mieten. Berlin bietet eine Vielfalt an Unternehmen, Kulturen und Lebensstilen, die nicht nur für junge Menschen anziehend sind.

Hinzu kommt, vor allem im letzten Jahr, der Zuzug der geflüchteten Menschen, insbesondere aus Syrien. Dieser Bevölkerungszusatz wurde erst in den neusten Studien erfasst. Die ausgerechneten Werte von 4 Millionen Einwohnern könnten somit schon in fünf Jahren erreicht werden.

Der Zuzug der Geflüchteten aus Syrien lässt sich auch anhand des Atlas der Zugezogenen ablesen: Auf der Rangliste der 1700 Geburtsorte, ist die syrische Stadt Damaskus auf Platz 45. Dahinter liegen Zugezogene aus Weltmetropolen wie Paris (Rang 82) oder New York (Rang 123). Auch oft vertreten sind türkische sowie iranische Städte. Die Zahl der Zugezogenen ist hierbei unter anderem auf den damaligen ersten Golfkrieg und die islamische Revolution zurückzuführen. Ebenfalls oft vertreten ist Polen, das bereits nach dem Mauerfall das häufigste Einwanderland überhaupt war.

Zugezogene aus der Welt und vor allem aus Deutschland

Die meisten Wahlberliner stammen aus Deutschland selbst. Angeführt wird die Rangliste von Hamburg mit 20.956 Personen. Auf dem zweiten Platz liegt Dresden mit 17.578 und anschließend Leipzig mit 17.561 Zugezogenen. Der vierte Platz wird von Potsdam belegt. Auch viele Schwaben sind nach dem Mauerfall nach Berlin gezogen. Sie bevorzugen vor allem die Bezirke Pankow, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

Diese Bezirke sind aber nicht nur bei den Schwaben besonders beliebt. Die Bezirke sind die drei Lieblinge der Zugezogenen aus ganz Deutschland. Das liegt vor allem an der zentralen Lage und den, in den letzten Jahren verstärkt neu gebauten Eigentums- und Mietwohnungen.

Die Schwaben gelten zuweilen auch heute noch als eine der unbeliebtesten Zugezogenen-Gruppen in Berlin. Jahrelang hieß es, sie würden sich breitmachen und das Stadtbild und -klima verändern. Es herrschte ein sogenannter „Schwabenhass“. Wie aber jüngste Nachforschungen der Berliner Morgenpost zeigen, liegt die Stadt Stuttgart mit 8117 Personen, die nach Berlin zugezogen sind, nur auf Platz 12. Damit widerlegte sie ein schon seit Jahren bestehendes Vorurteil. Jetzt steht es also offiziell fest: Es sind nicht vor allem die Schwaben, die das Stadtbild Berlins verändern …

Berliner mit Migrationshintergrund in Ost und West

Auch heute noch sind die Auswirkungen der Berliner Mauer zu sehen. Während sich die damalige DDR abschottete, wanderten viele neue Menschen, der größte Anteil davon Türken, in den Westen ein und siedelten sich entlang der Mauer an. Nach dem Mauerfall zogen viele Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan in den Osten Berlins, von denen dann aber ein Großteil wieder in ihr Heimatland zurückkehrte.
Heute liegt der Ausländeranteil im Westen bei 36 Prozent und im Osten bei 16 Prozent. Im östlichen Gebiet Berlins sind überwiegend Russen (mit 1.6 %), Polen (mit 1.4 %) und Vietnamesen (mit 1.2 %) anzutreffen. Vor allem nach der EU-Osterweiterung gab es noch einmal einen Schub.
Neu sind viele Zuzüge aus den EU-Ländern, wie Spanien, Italien oder Frankreich, die meist aus finanziellen Gründen den Weg nach Berlin finden.

Da der Wohnraum in der Innenstadt immer knapper wird und es aber momentan einen enormen Zuzug gibt, müssen immer mehr Menschen in die Randbezirke ziehen. Dort wird schon tüchtig gebaut, auch in den kommenden Jahren.